Be the change: Nele Prinz und ihre No Plastic Challenge {Interview}

Ich freue mich riesig, dass ich euch heute eine neue Reihe auf dem Blog vorstellen kann! In meiner bisherigen Rubrik "Make a change" zeige ich euch immer wieder Tipps und Ideen, wie man das Leben anders, bewusster und nachhaltiger gestalten kann. "Be the change" geht nun einen Schritt weiter. In dieser Reihe wird es ab sofort Interviews geben - Interviews mit ganz wunderbaren, inspirierenden und starken Frauen. Frauen, die neue Wege gehen. Frauen, die anders denken. Frauen, die etwas bewegen. Den Anfang macht heute Nele Prinz. Nele ist selbstständige Designerin und Fotografin aus Wiesbaden. Für ihre Bachelorarbeit im Fach Kommunikationsdesign hat sie sich das Thema Plastik vorgeknöpft und ein einzigartiges Buch geschaffen. Unter dem Motto "I'm a plastic girl in a plastic world." hat sie ihre No Plastic Challenge ins Leben gerufen und einen Monat auf Plastik verzichtet. Ihre Arbeit dokumentiert ihre Erfahrungen und Probleme genauso wie sie Lösungen und Ideen aufzeigt für ein Leben ohne Plastik, denn "Life in Plastic is NOT fantastic."

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1) Liebe Nele,wenn du dich mit 3 Worten beschreiben solltest, welche wären das?

neugierig bewusst designverliebt

2) Wer oder was inspiriert dich zu einem bewussteren Leben?

Wenn man aufmerksam lebt, sieht man sowohl im eigenen Umfeld als auch in Dokumentationen, dass in unserer Welt leider sehr viel schief läuft. Das macht mich wütend und ich möchte eigentlich nicht Teil dessen sein. Oft unterstützt man Umweltverschmutzung und soziale Ungerechtigkeit leider auch ohne es zu wissen mit seinem Konsumverhalten. Es ist schwierig komplett ethisch perfekt zu leben. Aber ich finde jeder sollte versuchen einen Teil dazu beizutragen, dass die Welt jeden Tag ein Stückchen besser wird. Dazu gehört auch, dass man nicht müde wird und sich immer weiter informiert.

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3) Wie entstand deine Idee, für einen Monat auf Plastik zu verzichten?

Es klingt nach Klischee, aber ehrlich gesagt habe ich mich mit Abfall und der Wegwerfgesellschaft schon in der Grundschule beschäftigt. Mit meiner Freundin Jassi aus dem Hort wollte ich die Welt retten. Wir sind im Gebüsch herumgekrochen und haben Plastik, Konservendosen und anderen Müll gesammelt und dann in der Küche im Hort abgegeben. Aber da war die Freude der Erzieher nicht so groß wie erwartet. Auf die Idee, das Thema Plastik in meiner Bachelorarbeit zu behandeln, kam ich dann durch das Schauen, Hören und Lesen verschiedener Beiträge in den letzten Jahren. Ich wollte für meine Arbeit vor allem ein Thema, was mich bewegt, was aktuell und für viele interessant ist.

4) Du hast dich eine Woche lang auf dein Projekt vorbereitet, wie genau sah diese Vorbereitung aus?

Ich habe meinen Alltag beobachtet und genau wahrgenommen, wo überall Plastik auftaucht. Besonders spannend war, alles Plastik in der Wohnung zu sammeln und dieses Ausmaß zu sehen. Ich habe viel im Internet auf Blogs gelesen, Filme geschaut und war beim Einkaufen einfach mal aufmerksamer als sonst.

5) Wenn man im Alltag auf Plastik verzichten will, stößt man schnell an Grenzen. Für welche Probleme war es am schwierigsten Lösungen zu finden?

Reinigungsmittel! Ich fand einfach absolut keine Putzmittel, die ohne Plastik verpackt waren. So musste ich mich im Internet auf die Suche nach Rezepten machen, mit denen ich mir meine eigenen Reinigungsmittel selbst herstellte. Das funktionierte zwar, allerdings habe ich nun – nach meinem Selbstversuch und zurück im Alltag und Arbeitsleben – gemerkt, dass ich das zeitlich nicht mehr schaffe. Schwierig war es außerdem, wenn ich mit Hunger einkaufen ging oder mal spontan etwas kaufte. Gerade in Cafés habe ich anfangs immer vergessen den Strohhalm abzubestellen. Und das passiert mir jetzt auch manchmal noch, wenn ich abgelenkt bin oder auf ein Gespräch konzentriert. Plastik ist einfach allgegenwärtig und versteckt sich hinter jeder Ecke.

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6) Welche überraschenden Fakten hast du bei deinen Recherchen über Plastik erfahren?

Viele Fakten sind eigentlich logisch, aber wenn man vorher nie darüber nachgedacht hat, erscheinen sie dann doch unerwartet: Kaugummis bestehen aus Kunststoff, Kunststoff besteht aus Rohöl… Cremes werden mit Kunststoffteilen aufgefüllt, um mehr Masse zu erhalten. Eine Plastikflasche im Meer zersetzt sich erst vollständig nach 450 Jahren. Plastik enthält giftige und krebsverursachende Chemikalien. In den Weltmeeren befinden sich mehr als 269.000 Tonnen bzw. mehr als 5,25 Billionen Teilchen Plastikmüll. Jährlich gelangen ca. 8 Millionen Tonnen Plastik ins Meer.

7) Was hat sich durch die Challenge in deinem Leben verändert?

Anfangs war die Challenge für mich nur meine Bachelorarbeit, für die ich eine gute Note erhalten wollte. Während ich recherchiert und all meine Gedanken in meinem Plastiktagebuch festgehalten habe, wurde die Challenge immer mehr zu einem Herzensding. Dann hat meine Arbeit sehr viel Aufmerksamkeit erhalten, womit ich erst mal nicht gerechnet hatte. Ich war auf der Buchmesse, in Zeitung und Radio und habe Vorträge und Lesungen gehalten. Das große Interesse der Leute hat mich mittlerweile motiviert, mit Hilfe von Design das Thema Plastikverzicht den Menschen wirklich näher zu bringen.

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8) Du hast deine Erfahrungen aus der Challenge in deiner Abschlussarbeit festgehalten und so ein ganz wunderbar illustriertes und informatives Ratgeberbuch geschaffen. Wie geht es jetzt weiter? Wird es das Buch eines Tages in gedruckter Form geben? Hast du Pläne?

Vielen Dank :-) Ja, es geht nun wirklich weiter damit. Ab Mai/Juni will ich mich aktiv auf die Suche nach Verlagen machen um mein Buch wirklich herauszubringen. Dazu motiviert haben mich vor allem die vielen Nachfragen auf meinen Lesungen und Vorträgen.

9) Und noch eine Frage zum Schluss: Stell dir vor, du hättest Superheldinnenkräfte und könntest die Welt über Nacht verändern. Was würdest du als Erstes tun?

Oh je, da gibt es echt viel zu tun. Ich könnte jetzt natürlich die Ozeane komplett von Plastik befreien, die Massentierhaltung abschaffen oder gerechte Löhne in der asiatischen Textilindustrie einführen. Aber das bringt ja alles nichts, wenn sich nicht in den Köpfen der Menschen etwas Grundlegendes ändert. Also würde ich als Erstes mit meinen Superheldinnenkräften in den Köpfen aller Menschen Empathie, Gerechtigkeitssinn, Mut und Vorwärtsdenken einpflanzen oder verstärken, damit sie sich selbst zu nachhaltigerem Denken entwickeln.

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Liebe Nele, herzlichen Dank für das spannende Interview! Ich wünsche dir alles Gute und drücke fest die Daumen, dass sich bald ein Verlag für dein tolles Buch findet!

Falls ihr Nele's No Plastic Challenge auch so spannend findet wie ich, könnt ihr hier auf ihrer Facebook-Seite und ihrer Website weitere Infos finden. Und hier habe ich euch 10 Tipps notiert, wie ihr Plastik in eurem Alltag besser vermeiden könnt. Vielleicht ist da ja auch die ein oder andere Idee für euch dabei!