Die Geschichte (m)einer Ernährungsumstellung

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Essen ist so viel mehr als das, was wir täglich auf unzähligen Foodblogs sehen. So viel mehr als knackige Salate, bunte Smoothiebowls oder sündig süße Cupcakes. Essen ist das, was wir unserem Körper geben. Das, was unserem Körper Kraft gibt, Energie. Es gibt kein Thema, worüber ich so ausführlich stundenlang sprechen könnte. Und doch hatte ich in den letzten Jahren tatsächlich meist eine ambivalentere Beziehung zu meiner Ernährung als man es hier vermuten würde. Essen war mein Ein und Alles, Leidenschaft, Genuss, Freude. Und Essen war Unwohlsein und Verunsicherung.

Bauchgefühl

Ich bin ein Bauchmensch. Wenn andere durch Stress oder Anspannung Migräne bekommen, bekomme ich Bauchschmerzen. Mein Bauch ist mein Frühwarnsystem, mein Kompass. Eigentlich ein ganz wunderbarer Mechanismus, aber in den letzten Jahren ist er zunehmend aus dem Ruder gelaufen. Immer öfter wurde ich von Bauchschmerzen geplagt, nach dem Essen ging es mir oft nicht gut - zu meiner Unzufriedenheit aber nicht immer nach jedem Essen und auch nicht immer nach den gleichen Lebensmitteln. Es schien mir schwer, ein Muster zu erkennen. Oft nehmen wir in solchen Situationen (neben Unverträglichkeiten oder Allergien) psychosomatische Ursachen an, die wirklich einen großen Einfluss auf unser Wohlbefinden und vor allem auf unsere Verdauung haben. Der Magen-Darmtrakt ist hochsensibel, unser Darm funktioniert wie ein zweites Gehirn. Und doch konnte ich auch an zutiefst entspannten Tagen trotzdem mit Bauchkrämpfen Zuhause sitzen und die Welt nicht mehr verstehen.

Recherche & Experimentierfreudigkeit

Als Foodbloggerin und leidenschaftliche Esserin habe ich mich immer intensiver mit dem Thema befasst. Ich wollte, dass es mir endlich wieder besser geht und mir mein Bauch nicht jedes noch so leckere Essen oder einen versprochenen Abend mit Freunden verdirbt. Ich habe viel gelesen, viel recherchiert und vieles ausprobiert. Von Akupunktur über Osteopathie, Schüssler-Salzen, Darmreinigung, Kinesiologie und sogar einer Ahnen-Sitzung war alles dabei. Ich habe Dinge ausprobiert, von denen ich nie im Leben gedacht hätte, sie jemals zu tun. Mein Bauch zeigte sich meistens ziemlich unbeeindruckt, aber wer weiß, wie diese Erfahrungen langfristig wirken, wenn sie einem trotzdem gut tun. Das Wesentlichste und das, worüber ich euch heute vor allem erzählen will: Ich habe durch die Impulse meiner ganzheitlichen Hausärztin vor anderthalb Jahren meine Ernährung nach und nach umgestellt - und zwar so, wie ich es nicht unbedingt zuvor erwartet hätte.

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An apple a day keeps the doctor away

Die Meinungen was eine gesunde Ernährung ist, gehen teilweise auseinander, in vielen Punkten sind sie sich jedoch einig: Viel Abweschlung, viele Vollkornprodukte, viel Gemüse und Obst. Wir allen kennen den Satz "An apple a day, keeps the doctor away." Was könnte denn auch an einem frischen, knackigen Apfel nicht gesund sein? Das was ich in den letzten anderthalb Jahren gelernt habe ist: Höre auf deinen Bauch, vertraue deiner Intuition. Dein Bauch weiß am besten, was gut für dich ist. Kein Foodtrend, keine Frauenzeitschrift, kein Foodblog. Wir alle sind als Menschen unfassbar individuell und einzigartig. Genauso verschieden wie unsere sozialen Prägungen sind, genauso verschieden funktionieren unsere Körper und im Speziellen unser Verdauungssystem. Klar, wir benötigen alle dieselben Ernährungsbausteine wie Proteine, Kohlenhydrate, Fette, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Aber nur weil dir ein Apfel wunderbar bekommt, muss das bei mir noch lange nicht so sein.

Ayurveda & Traditionelle Chinesische Medizin

Mittlerweile geht es mir so viel besser als noch vor zwei Jahren und ich bin überglücklich darüber. Ich kann nicht mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, was genau mich von meinen Bauchschmerzen befreit hat, aber ich bin mir sicher, dass es die Kombination aus ein paar richtigen Entscheidungen und der Umstellung meiner Ernährung war. Der Schlüssel zu einer zu mir passenden Ernährung lag dabei in den Grundsätzen des Ayurveda und der Traditionellen Chinesischen Medizin bzw. 5-Elemente-Lehre. Die Chinesen und Inder gehen, ganz anders als wir in der westlichen Welt, viel mehr auf die individuelle Konstitution eines Menschen ein und beziehen neben den Jahreszeiten auch die energetische Wirkung von Lebensmitteln mit in ihre Philosophie ein.

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Ich habe durch die intensive Beschäftigung mit diesen Ernährungslehren, das Knowhow meiner Ärztin und vor allem mein Bauchgefühl, 8 allgemeine Tipps für meine Ernährung im Alltag zusammengestellt, die Körper und Seele gut tun. Hier möchte ich sie mit euch teilen!

8 Tipps für (m)einen glücklichen Bauch

1) Auf den Körper hören

Das Wichtigste ist es tatsächlich in sich hineinspüren und die Signale wahrzunehmen. Unser Körper weiß meist am besten was uns gut tut - ob es um die Ernährung geht, um Bewegung oder andere Lebensbereiche. Wir sind im Alltag oft abgelenkt und merken gar nicht, wie es uns beim und nach dem Essen geht. Wenn man sich aber immer wieder auf den Körper konzentriert, beginnt man dessen Zeichen nach und nach wieder besser deuten zu können. Das ist ein Lernprozess, aber ein sehr schöner. Esse ich beispielsweise bei kaltem Wetter einen rohen Salat, bekomme ich tatsächlich sofort Gänsehaut.

2)  Warm essen

Im Ayurveda und in der chinesischen Ernährungslehre hat warmes Essen eine zentrale Bedeutung. Warm kann sowohl die Temperatur des Gerichtes sein, als auch die verwendeten Gewürze und ihre Wirkung (wärmende Gewürze sind z.B. Zimt, Ingwer, Kardamom, Nelken) oder die Zubereitung eines Essens. So gilt z.B. auch ein Kartoffelsalat als warm, wenn er längst wieder abgekühlt ist, weil die Kartoffeln gekocht und somit erwärmt wurden. Ich habe festgestellt, je wärmer ich mich ernähre, desto besser geht es mir. Daher beginne ich jeden Tag schon mit einem großen Glas lauwarmem Wasser oder Ingwertee und frühstücke im Anschluss einen warmen (Hirse)Brei. Damit schaffe ich eine wohltuende Basis für den Tag und bringe meinen Körper sanft in Schwung. Rohkost und kaltes Essen (wie z.B. Südfrüchte, Milchprodukte und Teigwaren) landen dagegen nur in seltenen Fällen auf meinem Teller und wenn dann eher an warmen, trockenen Tagen. Mein Bauch gibt mir hier immer ganz klar zu verstehen, was gut tut und was nicht.

3)  Saisonal essen

Weil wir im Supermarkt jederzeit alles bekommen, neigen wir oft dazu, uns ganz losgelöst von den Jahreszeiten zu ernähren und vergessen dabei unsere Verbindung zur Natur. Doch wenn wir im Sommer zur kühlenden Wassermelone greifen oder im Winter zum feurigen Eintopf, ist es genau diese Verbindung, unsere Intuition, die uns dazubringt, genau das Richtige zu tun. Wenn ich mich saisonal ernähre, ist es gleich doppelt gut: Für mich selbst (weil ich dann im Winter vor allem wärmende und im Sommer kühlende Speisen esse) und für die Umwelt (weil im Winter keine Früchte aus entfernten Regionen zu mir transportiert werden müssen und ich mehr unsere lokale Landwirtschaft unterstütze).

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4) Nicht kurz vor, während und kurz nach dem Essen trinken

Das Glas Wasser/Saft/Wein etc. gehört in unserer Kultur ganz fest zu einem Essen. Im Restaurant ist es das Erste, wonach wir gefragt werden. Nach der chinesischen Medizin ist es für unsere Verdauung eine große Herausforderung, wenn wir direkt vor, während und kurz nach dem Essen etwas trinken. Durch die Flüssigkeit wird der Verdauungstrakt gekühlt, unsere Magenflüssigkeit verdünnt und das Essen viel schlechter verdaut. Seit ich mich an diese Regel halte, spüre ich, wie viel leichter mein Bauch arbeiten kann und dass, sollte ich doch mal ein Glas zum Essen trinken, das Bauchdrücken prompt einsetzt. Also lasse ich doch lieber die Finger davon.

5) Gut kauen

Wie oft hört man, dass die Verdauung schon im Mund beginnt und hält sich trotzdem nicht daran? Durch langsames, bewusstes und gutes Kauen können die Enzyme in unserem Speichel tatsächlich schon eine tolle Vorarbeit leisten, so dass der Magen- und Verdauungstrakt noch viel besser die Nährstoffe aufnehmen können. So oft es geht, versuche ich mich daran zu erinnern und mindestens 30-40x zu kauen, bevor ich mein Essen schlucke. Seitdem ich dies tue, habe ich viel weniger brüchige Fingernägel (die ein Zeichen für zu wenig Kauen und eine mangelnde Nährstoffaufnahme sein können) und genieße auch mein Essen noch mehr in Ruhe, weil ich wirklich jeden Bissen schmecke.

6) Abstand zwischen den Mahlzeiten

Im Ayurveda wird es empfohlen ca. 3-5 Stunden Abstand zwischen den Mahlzeiten zu halten. Kleine Zwischenmahlzeiten, wie sie zum Beispiel das Clean Eating Konzept vorsieht, fallen hier weg. Der einfache Grund ist, dass unser Körper je nach Nahrung mehrere Stunden zur Verdauung benötigt. Sobald wir wieder etwas Neues essen, wird die Verdauung der vorangegangenen Nahrung gestört und behindert. Ich habe festgestellt, dass es mir sehr gut tut, größere Pausen zwischen den Mahlzeiten einzulegen. Daran musste ich mich erst gewöhnen, aber wenn man seine Mahlzeiten mit vollwertigen und sättigenden Zutaten zusammenstellt, ist es gar nicht so schwer auch mal 4 Stunden durchzuhalten.

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7) In Ruhe essen

Die äußeren Umstände haben einen ganz großen Einfluss auf unser Wohlbefinden. Unser Essen sollten wir daher möglichst in einer ruhigen, entspannten Situation und Verfassung zu uns nehmen. Auch wenn die Verlockung groß ist, Serien zu schauen oder schon wieder What's app zu checken, Essen macht dann nur halb so viel Spaß und unserer Verdauung tun wir auch keinen Gefallen. Mein Körper merkt ganz schnell, ob ich entspannt, abgelenkt oder auf dem Sprung bin. Also versuche ich wirklich nur zu essen, wenn ich mich voll und ganz auf den Teller vor mir konzentrieren kann.

8) Bewegung und Entspannung

Der Schlüssel für körperliches Wohlbefinden liegt in der Abwechslung zwischen Bewegung und Entspannung. Bin ich bewegungsfaul und antriebslos, werden auch mein Körper und meine Verdauung träge. Bin ich nervös und angespannt, verkrampft sich auch mein Bauch. Daher achte ich darauf, dass sowohl Bewegung und Sport als auch Entspannung durch Yoga und Meditation einen festen Platz in meinem Alltag haben. Spätestens, wenn ich morgens für meinen Sonnengruß auf der Matte stehe, spüre ich wie gut sich das von Kopf bis Fuß anfühlt.

Wenn ich jetzt zurückschaue, bin ich sehr froh, dass ich für mich herausgefunden habe, was mir gut tut und es mir nach vielen Jahren endlich wieder besser geht. Die Ernährungsumstellung ist mir nicht immer leicht gefallen, vor allem am Anfang als ich beispielsweise Bananen (mein damaliges Grundnahrungsmittel) oder Brot von meinem Speiseplan streichen musste. Auch mit dem morgendlichen, warmen Brei habe ich mich in den ersten Monaten sehr schwer getan, doch mittlerweile möchte ich ihn nicht mehr missen. Solltet auch ihr über eine Ernährungsumstellung nachdenken, sucht euch auf jeden Fall eine kompetente Beratung, hört immer wieder in euch hinein und am wichtigsten, macht einen kleinen Schritt nach dem anderen und gestaltet die Umstellung mit Leichtigkeit und Freude.

Was für ein Verhältnis habt ihr zu eurer Ernährung? Fällt es euch leicht, auf euren Bauch zu hören? Habt ihr euch schon einmal mit dem Ayurveda oder der traditionellen Chinesischen Medizin befasst?