Be the change: Shia Su von Wasteland Rebel

Inspiriert von Gandhi's Worten "Be the change you wish to see in the world" stelle ich euch in dieser Reihe regelmäßig starke Frauen vor. Frauen, die neue Wege gehen, sich etwas trauen, mutig sind und die Welt zu einem besseren Ort machen. Für das heutige Interview habe ich mir Shia Su von Wasteland Rebel geschnappt und ihr ein paar Fragen gestellt. Shia schreibt auf ihrem Blog über ihr Zero Waste Leben und gibt tolle Anregungen, Tipps und Informationen rund um das Thema unverpackt Einkaufen und müllfrei Leben. Das macht sie auf eine so einzigartige, humorvolle und motivierende Weise, dass es eine Freude ist, ihre Texte zu lesen und die Ideen selbst im Alltag umzusetzen.  Vorhang auf:

Zero Waste Bloggerin Shia Su von Wasteland Rebel im Interview / THE.WAITRESS. Blog

Zero Waste Bloggerin Shia Su von Wasteland Rebel im Interview / THE.WAITRESS. Blog

1) Liebe Shia, wenn du dich mit 3 Worten beschreiben solltest, welche wären das?

Oh je XD. Unkonventionell, (zu) direkt, (sehr) eigen. Meine Mutter wundert sich immer noch andauernd, dass Hanno (mein Mann) es so schon über 12 Jahre mit mir aushält. Bis ihr dann wieder auffällt, dass der auch nicht alle Tassen im Schrank hat...

2) Was ist dein Herzensthema?

Alle denken, es ist Nachhaltigkeit, aber eigentlich arbeite ich an der Weltherrschaft. Pssssst ;).

3) Wer oder was inspiriert dich zu einem bewussteren Leben?

Der Gedanke, so wenig wie möglich auf Kosten von Mensch, Tier und Umwelt leben zu wollen. Und offenbar habe ich den nervtötenden Drang, Grenzen auszureizen und Autoritäten zu missachten nicht mit der Pubertät abgelegt.

4) Was ist die größte Motivation für das, was du tust?

Es mit Hanno zusammen machen zu können. Das ist dann nur noch halb so langweilig. So macht Unfug treiben gleich doppelt so viel Spaß.

Zero Waste einkaufen mit Shia Su von Wasteland Rebel / THE.WAITRESS. Blog

Zero Waste einkaufen mit Shia Su von Wasteland Rebel / THE.WAITRESS. Blog

5) Wie hat Zero Waste dein Leben verändert und bereichert?

Ich laufe heute mit ganz anderen Augen (und endlich mit an meine neue Sehstärke angepassten Brillengläsern) durch die Welt. Ganz ausschlaggebend war sicherlich der Minimalismus-Ansatz, der mit der Auseinandersetzung mit dem eigenen Konsumverhalten eigentlich zwangsläufig aufkommt. Denn einfach 1:1 auf “grüne Alternativen” umzusteigen, bringt reichlich wenig, wenn wir trotzdem zu viel und zu schnell konsumieren. So schnell können auch unsere gentechnisch gepimpten nachwachsenden Rohstoffe nicht nachwachsen.

Wo wir ansetzen müssen, ist beim Konsum. Und Müll ist für mich ein ganz einfacher Indikator für einen übermäßigen Konsum, denn wo viel gehobelt wird, fallen auch viele Späne. Er steht für mich auch symbolisch für einen verschwenderischen Umgang mit Ressourcen. Man muss sich echt mal klar machen, dass wir unsere schwindenden Ressourcen dafür verballern, Dinge direkt für die Tonne zu produzieren. Wie absolut bescheuert und extrem ist das eigentlich? Dann lieber generell weniger konsumieren, weniger besitzen, weniger putzen (weniger Gedöns = weniger Haushalt!) und das Überschüssige wieder in Umlauf bringen. Denn eigentlich ist genug da, man muss es nur mal umverteilen, statt andauernd Neuware zu produzieren. Und nur mal so: Wenn Dinge uns wirklich glücklich machen würden, müssten wir nicht alle in einem konstant orgasmischen Rausch sein? Schließlich haben wir alle so viel mehr, als wir jemals überhaupt brauchen könnten. Uns glücklich zu kaufen, funktioniert also offenbar nicht, also spar ich mir das doch direkt und investiere meine Zeit und Energie in Sinnvolleres wie Katzenvideos gucken Kinder ärgern bei Instagram abhängen Handstand üben.

Vor unserer Zero-Waste-Umstellung haben Hanno und ich außerdem hauptsächlich von Junk Food gelebt: Die Pizza- und Dönerbuden-Betreiber in der Nähe dachten alle fälschlicherweise, wir wären nur bei ihnen Stammkunden, und zu Hause gab’s meistens was aus dem Tiefkühl-Regal. Gut, bis heute steht Kochen bei uns auf einem Level wie Putzen: Ein notwendiges Übel; wir machen es nicht gerne, aber wir machen es. Mit dem Vorhaben, Müll etwas konsequenter zu vermeiden, kauften wir eher unbewusst graduell immer weniger Junk Food und immer mehr frisches Obst und Gemüse, bis wir irgendwie ganz bei Bio-Lebensmitteln landeten und schleichend mit Hilfe unseres besten Freundes Google lernten, auch Frisches zeitsparend zuzubereiten. Es schmeckte uns einfach viel besser, weswegen wir uns auch wie fremdgesteuert in die Küche stellten und dabei ganze Fernsehserien durchbekamen. Ich hätte das selbst nicht geglaubt, aber diese gesunde Ernährung macht sich tatsächlich gesundheitlich bemerkbar! Meine ganzen Allergien (Heuschnupfen, Lebensmittel- und Hautallergien, Neurodermitis) haben sich enorm gebessert! Sie sind nicht komplett weg, aber ich muss mich nicht mehr mit Antiallergika, auf die ich auch irgendwann nicht mehr anschlug, und Kortison vollpumpen, um nicht im Frühling ungewollt an einem Asthma-Anfall zu krepieren, wenn es wieder heißt, wir fahren aufs platte norddeutsche Land, um unterm grauen Himmel zwischen fliegenden Pollen Kaffee Friesentee zu schlürfen.

Shia Su von Wasteland Rebel im Interview - Zero Waste Einkauf / THE.WAITRESS. Blog

Shia Su von Wasteland Rebel im Interview - Zero Waste Einkauf / THE.WAITRESS. Blog

6) Was wären 3 Einsteiger-Tipps, die du uns geben würdest, wenn wir im Alltag mehr Müll vermeiden möchten?

  1. Einfach anfangen und nicht alles zu 100% machen wollen. Die meisten Vorhaben im Leben scheitern daran, dass man sich zu große Aufgaben vornehmen möchte und die dann doch andauernd aufschiebt, weil man für große Aufgaben gefühlt “den richtigen Zeitpunkt” braucht.

  2. Von Level zu Level zu Level zu Level, bis der Endboss kommt… oder so ähnlich. Erst mal mit den einfachen Sachen einsteigen. Man muss sich ja das Leben nicht unnötig schwer machen. Und alles schön im eigenen Tempo, soll ja nicht in Frust ausarten.

  3. Den eigenen Müll mal analysieren. Dann weiß man, wo die eigenen “Problemzonen” sind und man ganz gezielt ansetzen kann. Kauft man jeden Tag was beim Bäcker, kann man daran arbeiten, sich jeden Tag eine Brotdose einzustecken und beim Fragen nach der Sonderwurst nett zu lächeln. Kauft man viele Fertiggerichte wie Tütensuppe oder TK-Gerichte, kann man anfangen, zu lernen, häufiger mal mit unverarbeiteten Zutaten zu kochen. Hat man viele Verpackungen von Obst und Gemüse, dann kann man sich mal umgucken, wo es vor Ort unverpacktes Obst und Gemüse gibt, wie z.B. in kleineren Bioläden, auf Wochenmärkten, im türkischen Gemüseladen oder vielleicht direkt vom Bauern?

Der 4. Tipp wäre natürlich, sich Tipps aus meinem Buch “Zero Waste: Weniger Müll ist das neue Grün” zu holen ;).

© www.wastelandrebel.com / Shia Su

© www.wastelandrebel.com / Shia Su

7) Stell dir vor, du hättest Superheldinnenkräfte und könntest über Nacht die Welt verändern. Was würdest du als Erstes tun?

Also als allererstes würde ich ein großes Stück Kuchen zur Stärkung verputzen (wie ich es auch gerade in diesem Moment mache). Vielleicht auch zwei, ist ja eine große Aufgabe ;). Danach würde jedem Menschen das Bedürfnis einpflanzen, Rücksicht nehmen zu wollen und auch das Bewusstsein, dass man Verantwortung für sein Handeln übernimmt, ja, auch wenn die Konsequenzen auf der anderen Seite des Globus sind und nicht vor der eigenen Haustür. Ich denke nämlich, dass es nicht unbedingt darum geht, sich aufzuopfern bzw. in Selbstgeißelung oder gar Märtyrertum zu verfallen, um Gutes zu tun, sondern ganz einfach rücksichts- und respektvoll sowie verantwortungsbewusst durchs Leben zu gehen.

Dann würde dieser ganze Unsinn von allein aufhören. Wir würden ganz selbstverständlich nicht mehr den ganzen Müll produzieren, nicht mehr umweltmäßig “über unseren Verhältnissen leben”, nicht mehr Kinder für Fast Fashion unter gefährlichen und gesundheitsgefährenden Bedingungen Klamotten nähen lassen. Rassismus, Sexismus, Homo- und Xenophobie sowie irrsinnige Wohlstandsgefälle wären mindestens stark abgemildert, wenn man rücksichts- und respektvoll miteinander umginge. Und die enormen Ressourcen, die momentan auf Destruktives verwendet werden, wie z.B. den Konsum anzukurben oder Kriege zu führen, würde man in tatsächlich sinnvolle Projekte wie z.B. Zugang zu Trinkwasser oder medizinische Versorgung investieren. Man würde also viele Probleme im Keim ersticken, müsste sich nicht mit den Folgeschäden herumschlagen und würde freigewordene Ressourcen für Sinnvolleres einsetzen. Prozessoptimierung durch eine arschlochfreie Welt sozusagen.

Liebe Shia, ich danke dir herzlich für deine Zeit und die kraftvollen, inspirierenden Antworten und eröffne hier gleich noch eine weitere Fragerunde:

Kennt ihr Zero Waste und habt ihr euch schon einmal damit befasst? Wie versucht ihr, euren Alltag nachhaltiger zu gestalten?