Make it simple: Dinge einfach geregelt kriegen

Dinge einfach geregelt kriegen / THE.WAITRESS.

Dinge einfach geregelt kriegen / THE.WAITRESS.

Mittwoch im März. Ich schaue aus dem Fenster und der Himmel ist grau. Bis zum Horizont. Eine scheinbar endlose Wolkendecke hat sich über der Stadt ausgebreitet und versteckt die Sonne, die letzte Woche noch so verlässlich schien. Statt klarem, blauem Himmel serviert uns das Wetter undurchsichtiges, trübes Grau.

Manchmal fühle ich mich genau so. Mit lauter Wolken um mich herum, die mir die Sicht nehmen und mein Leben in ein diffuses Licht tauchen. Dann fällt es mir schwer klar zu sehen, geschweige denn klar zu denken und angesichts dessen verharre ich überwältigt in einem Stadium des Nichtstuns. Wie eine Schildkröte, die auf dem Rücken liegt und nicht zurück auf die Füße findet.

Meine Wolken sind natürlich keine Wolken im wörtlichen Sinne. Meine Wolken sind Todo's, Aufgaben, Projekte, Pflichten, Gedanken, die mir durch den Kopf schwirren und am besten alle gleichzeitig meine Aufmerksamkeit wollen. David Allen, der Dinge-geregelt-kriegen-Guru, nennt diese Wolken 'Open Loops'. Open Loops sind wie der Name es schon verrät: Offen. Sie sind offene Punkte auf der Todo-Liste, noch zu erledigende Aufgaben und noch zu sortierende Gedanken. Und so lange sie offen sind, fliegen sie durch die Gegend unseren Kopf und sind Energieräuber par excellence.

Den Open Loops auf die Schliche kommen

Ich wage zu behaupten, dass wir alle diese Energieräuber haben. Oder um bei dem Wolkenbild zu bleiben: Wir sehen oft vor lauter Wolken den Himmel und die Sonne nicht. Statt undurchsichtigem Wolkengrau ist Klarheit aber so ein viel schöneres Gefühl. Nicht nur mit Blick in den Himmel, sondern generell auf unser Leben. (Und passt damit auch viel besser zu #40TageSorgenfrei.) Die Frage aller Fragen lautet also: Wie können wir unser eigenes Wetter machen bzw. die Dinge, die uns die klare Sicht nehmen, endlich geregelt kriegen?

Eine mögliche Antwort habe ich in den letzten Wochen in der neuen Netflix-Serie "Queer Eye" gefunden. Es ist eine Vorher-Nachher-Show in der fünf Schwule, die Fabulös Five, einen heterosexuellen Mann beraten, umstylen und sein Leben inkl. Wohnung innerhalb einer Woche komplett auf den Kopf stellen. Einsatz in 4 Wänden 2.0. quasi. Hinterher sind alle glücklich, die Wohnung wunderschön eingerichtet, der Kleiderschrank frisch bestückt und das neue Lebensgefühl unbezahlbar gut. Wer würde sich nicht eine Runde charmanter Berater wünschen, die das eigene Leben mal wieder auf Vordermann bringen? Jemanden, der liebevoll aber bestimmt in den Hintern tritt und uns dazu bringt, all die verdrängten, aufgeschobenen Aufgaben endlich abzuhaken? Die schlechte Nachricht lautet: Für die meisten von uns wird dieser Jemand nie kommen. Die gute Nachricht lautet: Wir müssen selbst ran und das fühlt sich sogar noch besser an!

Der italienische Ausblendblick

Um uns selbst in den Hintern zu treten (und wann wenn nicht jetzt, wo der Frühling vor der Tür steht und neuer Tatendrang in der Luft liegt?), müssen wir uns von einer unserer Lieblingsbeschäftigungen trennen - "dem italienischen Ausblendblick". Dem was? Vor ein paar Jahren habe ich diesen Begriff in einem Feierabendfilm aufgeschnappt und benutze ihn seitdem unfassbar gerne. Ich selbst war jahrelang Expertin, wenn es darum ging diesen Blick anzuwenden und nur das zu sehen, was ich sehen wollte. Unangenehme Dinge, Tätigkeiten oder Aufgaben konnte ich mit geradezu grandioser Perfektion ausblenden - bis es sich wirklich überhaupt nicht mehr gut anfühlte oder eine unausweichliche Deadline bevorstand. Statt die Dinge einfach anzupacken und geregelt zu kriegen, laß ich lieber Bücher wie "Dinge geregelt kriegen ohne einen Funken Selbstdisziplin", prokrastinierte und blendete weiter Italienisch aus. Die Tüte Pfandflaschen in der Küche. Die gestapelten Kisten in der Abstellkammer. Der Mantel, der seit Monaten auf die Reinigung wartete. Der Zahnarzttermin, die Löcher in den Socken, das quietschende Bett... ausgeblendet, verdrängt, aufgeschoben - aufgehoben?

Dinge einfach geregelt kriegen

Leider nein. Die open loops a.k.a. Wolken a.k.a Todo's werden mit der Zeit selten weniger, die Sicht auf die Dinge selten klarer und das Lebensgefühl selten schöner. Aber ist es nicht das, was wir uns alle wünschen? Wir wollen uns gut fühlen und die Dinge einfach geregelt kriegen! Und das geht mit dieser, Achtung Trommelwirbel, Zauberformel aus zwei Worten:

Einfach machen.

Falls ihr jetzt gehofft habt, es würde ein etwas revolutionärerer Ansatz folgen, möchte ich mich an dieser Stelle herzlich entschuldigen. Einfach machen ist hier schlichtweg der einzige und ultimative Schlüssel zum Glück. Ich weiß, wie leicht sich das sagt und wie schwer es oft fällt. Aber es gibt an dieser Stelle noch einen Trick, den ihr ausprobieren könnt. Warum versucht ihr nicht mal eure Einstellung testweise um 180 Grad zu drehen? Wie wäre es, wenn ihr euch vorstellt, dass es nicht anstrengend und unangenehm sein muss, eure offenen Baustellen anzugehen? Wie wäre es, wenn es stattdessen Spaß machen darf, Dinge geregelt zu kriegen? Denn genau das ist es, was uns Serien wie "Queer Eye" zeigen und welches Gefühl sich einstellt, wenn die Tüte hinter der Tür endlich verschwunden ist, der Mantel frisch gereinigt ausgeführt werden kann und der Zahnarzt sagt, dass alles paletti ist und nicht gebohrt werden muss.

Dinge aufschieben und verdrängen, lässt die Dinge nicht weniger werden. Dinge einfach geregelt kriegen, fühlt sich dafür so viel besser an und schenkt euch on top noch Superheld(inn)en-Gefühle dazu. Also worauf wartet ihr? Was packt ihr als nächstes an? Macht euch an die Arbeit, kommt den Open Loops in eurem Leben auf die Schliche, schnappt sie euch Wölkchen für Wölkchen und spürt, wie schön das ist - wenn die Sicht wieder klarer wird und plötzlich viel mehr Zeit und Energie für die wesentlichen Dinge bleibt.

Macht es euch nicht schwerer als es ist. Macht es euch leicht. Macht es - einfach.

Alles Liebe

Theresa